Over ruimte (Raum) in poëzie en beeld

Passion in yellow – pigments, sumi-e, ink on paper 70×100 cm June 2017

Onsterfelijkheid verbeeld via de kruisdood van Jezus – in de ruimte (Raum vom Tode)

De materie werpt licht op het oneindige en transcendente.

De dood levert zijn eigen aandeel in de Verlossing…schept een nieuwe ruimte (Raum)

Raum Raum Raum Raum Raum

Passion in Yellow: a try out to paint the suffering of Jesus Christ during his passion – a study with pigments, ink on paper.

PRACHTIG

Beroemd maar dood vroeg hij: en
wat bleef er van mij over?

Ik wees op een losse regel
een uit zijn verband gerukt citaat
meestal toegeschreven aan een ander.

Voetafdruk op een verlaten strand
Vol lege, uitgewoonde schelpen.

Prachtig is de onsterfelijkheid
maar wat doen wij in de tussentijd?

Bernlef

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Onsterfelijkheid van een ander perspectief

 

 

Ein Raum
kann einen anderen nicht auslöschen,
aber ihn beiseite drängen.
Auch die Räume nehmen einen Platz ein,
in einer anderen Dimension, die mehr ist als Raum.

Es gibt Räume mit einer einzigen Stimme,
Räume mit vielen Stimmen
und selbst Räume mit gar keiner,
aber jeder Raum ist für sich
und einzigartiger als das, was er beinhaltet.

Wenngleich sich jeder Raum
am Ende mit jedem Raum vermischt.
Wenngleich jeder Raum
ein unmögliches Spiel ist,
weil nichts einen Raum hat.

 

Der Raum der Poesie und der Raum der Wirklichkeit, die ich in Beziehung zueinander setzen mochte, sind einander auch nicht passgerecht. Wie auch beide nicht, weniger noch einer der beiden, in den bescheidenen Raum dieser Worte hineinpassen. Zweifelsohne ist die Poesie ein visionärer und gewagter Versuch des Zugangs in einen Raum, der die Menschen in Angst und Schrecken versetzt und für schlaflose Nächte gesorgt hat: der Raum des Unmöglichen, der
manchmal auch der Raum des Unsagbaren zu sein scheint.
Als Dichter habe ich diesen Raum intensiv gesucht. Ich versuche deshalb, Ihnen von dieser Suche oder Obsession oder Pilgerschaft meines Schicksals durch die Sprache zu berichten, indem ich zwei Fragen, die für mich zu den wesentlichen Fragen des Menschen gehören, in eine zusammenfasse: die Frage nach der Wirklichkeit (Was ist das Wirkliche? Was ist Sein? Was unterscheidet es vom Nichtsein?
Wer oder was sind wir? Wer oder was sind wir nicht?) und die nach der Poesie (Gibt es irgendeine Art, etwas auszudrücken? Wie kann das Wirkliche ausgedrückt werden? Und das Unwirkliche? Welche Wirklichkeit hat das Wort?).
Für diesen Versuch, der beinahe sicher zum Scheitern verurteilt ist, werde ich zwei sich ergänzende Richtungen oder Wege verfolgen: einerseits die assoziative Betrachtung über die Poesie und die Wirklichkeit sowie andererseits einige Gedichte, in denen ich über beides zu sprechen versuche.
Mich beflügelt zuerst eine unterscheidende Qualität und bisweilen notwendige Tätigkeit vieler moderner Dichter: über das “Handwerk”, wie es Pavese bezeichnet nachzudenken, das eigentlich gar kein Handwerk, sondern eine Art “Antihandwerk” ist. Oder vielleicht eine Art Werk oder Wirken, ein fast liturgisches Tun oder Handeln: vor dem Abgrund zu sprechen, in dem wir uns befinden, mit dem Abgrund, der wir sind, anders vor dem, der wir selbst sind, vor den anderen, vor allem, vor nichts und niemandem. Wenn ich auf meine eigenen Gedichte zurückgreife, ermutigt mich zudem die Tatsache, dass das, was der Dichter sagen kann, sich vor allem immer in seiner Poesie befindet. Mich bestärkt zudem der eindringliche Anfang eines bekannten Textes von Wallace Stevens: “Die Poesie ist der Gegenstand des Gedichts. / Aus ihr entsteht das Gedicht und / zu ihr kehrt es zurück”. Ich werde also abwechselnd Betrachtungen und Gedichte vorbringen, als wären es die zwei Gesichter eines Poetischen Januskopfes: Denken und Imagination, Ausdeutung und Symbol, Idee und Erzittern, Eindeutiges und Vieldeutiges, Erkenntnis und Schöpfung. Formen, die allesamt eins sein sollten, wie der Geist ein einziger ist, obwohl er weht, wie und wo er will. Und ich werde unter diesem Aspekt auch einige treffend Zitate oder Fragmente über die Poesie sowie einige Parabeln oder mehr oder weniger paradoxe Geschichten anführen.
Ich mochte nun eine einzigartige Überlieferung aus der chassidischen Tradition vorstellen, die natürlich jedwede zufällige Interpretation oder ausgesprochen doktrinäre Konnotation ausschließt: “Wenn der große Rabbi Israel Baal Shem Tov vermutete, dass dem jüdischen Volk ein Unglück blühte, ging er gewöhnlich an einen bestimmten Platz im Walde, um reinen Geistes in sich zu gehen. Dort entfachte er ein Feuer und sprach ganz bestimmte Gebete. Und das Wunder ereignete sich, das Unglück war abgewendet. Später, als sein Schüler, der berühmte Maguid de Mezeritsch den Himmel aus ähnlichen Gründen anzuflehen hatte, fand er sich am selben Ort des Waldes ein und sagte: >Herr des Universums, leihe mir dein Gehör. Ich weiß nicht, wie man das Feuer entfacht, aber ich bin noch imstande, das Gebet zu sprechen. < Und das Wunder ereignete sich. Viel später ging der Rabbi zur Rettung seines Volkes in den Wald und sagte: > Ich weiß nicht, wie man das Feuer entzündet, ich kenne das Gebet nicht, aber ich kann mich an der glückbringenden Stelle einfinden. Und das sollte genügen. < Und es genügte, auch damals ereignete sich das Wunder. Danach war dem Rabbi Israel de Rizsin aufgetan, die Gefahr abzuwenden. Er saß auf seinem Schemel und legte seinen Kopf in die Hände und sprach so zu Gott: > Ich bin unfähig, das Feuer zu entfachen, ich kenne das Gebet nicht und kann die Stelle im Wald nicht finden. Alles, was ich tun kann, ist, dir diese Geschichte zu erzählen. Das sollte ausreichen. < Und es reichte aus. Gott erschuf die Menschen, weil ihm die Geschichten gefallen.”
Ob man von Gott spricht oder nicht, die Wirklichkeit hat den Menschen erschaffen, weil irgendetwas in ihr, in ihrem Grund, auf geheimnisvolle Weise nach Geschichten verlangt. Oder anders gesagt: scheinbar gibt es in der Tiefe des Wirklichen eine Notwendigkeit nach Erzählung.

 

uit:

Roberto Juarroz
Poesie und Wirklichkeit
Poesía y realidad
Aus dem argentinischen Spanisch van Juana und Tobias Burghardt
Stuttgart 2010 (Edition Delta)

Categorieën: semiose

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